Im Rausch der Zukunft: dänische Crowdsourcing Politik

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Dänemark ist mehr als Hygge

 

Bereits wenige Schritte vor der Ladentür riecht es unverwechselbar. Hinter dem Ladenfenster kriecht eine zähe, glänzende Masse auf einem Tisch in die Breite. Noch eine Stufe und dann erkennt es jede Nase: Den einzigartigen Geruch von Karamell. Es ist warm in dem kleinen Raum in der Jægersborggade.

 

Auf wenigen Quadratmetern findet die gesamte Produktion und Verpackung statt. Die Karamelleriet ist nur eines der hyggeligen Läden und Cafés in Nørrebro dem dänischen Inn-Viertel in Kopenhagen. Hier wird Politik gemacht, hier wird gelebt. Nicht umsonst wird es das Berlin Kopenhagens genannt.

 

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Es ist nicht alles Hygge in Kopenhagen

Beim Wahltag geht es um U-Hygge

Hier im Nordwesten Kopenhagens ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest scheint es so. Doch kurz vor den Wahlen sehen die Dänen das anders. Längst ist nicht alles einfach und gemütlich. Und es ist nicht alles nur Hygge. Es gibt fehlenden Wohnraum, soziale Ungerechtigkeit und Bandenkriminalität.

„Wir sagen, dass Kopenhagen eine grüne Stadt ist und bevorzugen gleichzeitig Wohnraum vor dem Erhalt von alten Land. Land welches 5000 Jahre nicht bewirtschaftet wurde“, sagt Niko Grünfeld. Er spricht von Amager Fælled. Einem Stück Land auf dem es seltene Amphibien und Pflanzen gibt, noch gibt. Grünfeld hat sich für eine Partei aufstellen lassen, die aus Frust entstand. Frust darüber, dass die Stadt sich nicht den globalen Herausforderungen wie Klimawandel stellte. Und Frust darüber, dass es nicht mehr um soziale und ökologische Werte geht, sondern um den Profit des Einzelnen.

Als Besucher Kopenhagens ein fast nicht nachvollziehbarer Gedanke, denn „grün“, „nachhaltig“ und „familiär“ begegnen einem an jeder Ecke. Grünfeld reicht das nicht. Verständlich. Nicht alle ziehen an einem Strang. Nicht alle sehen den Effekt des Meeresspiegel Anstiegs auf die Metro Kopenhagens oder die rund 75.000 Mahlzeiten, die in Kindergärten, Schulen und städtischen Institutionen ausgegeben werden – täglich.

 

 

Metrotunnel in Kopenhagen

 

Bei der Politik der Dänen geht es auch um die Umwelt

Grünfeld möchte keine CO2 neutrale Stadt, die in 2025 erreicht werden soll. Grünfeld, der Mann mit dem sympathischen Lächeln möchte eine CO2 negative Stadt, das heißt weniger CO2 ausstoßen als die Stadt absorbieren kann. Ein Satz der zu einem kurzen Inne halten verleitet. Was die rechten Parteien fordern, nämlich den Bau von mehr Tunneln und mehr Straßen, ist für ihn Schnee von gestern. Für ihn zählt die Zukunft und ein effizienterer Transport mit Hilfe von Bussen und Rädern. Für Grünfeld ist das keine Frage einer grünen Einstellung, sondern einer globalen Sicht auf die Dinge.

Ist Crowdsourcing die Lösung? So sieht es zumindest die Initiative. Zwei junge Männer mit der Idee der Zukunft, die noch nie etwas mit Politik zu tun hatten: Sebastian Winther und Holger Thorup. Ihrer Meinung nach sind Dänen insgesamt schlauer als Politiker. Sie richten sich an die Bürger, die genug von Politik haben, aber nicht von Entscheidungen für ein soziales Miteinander. Politiker müssen das Vertrauen in Politik zurück gewinnen und wieder bürgernah werden. Winther und Thorup sind zwar jung aber nicht naiv. Sie streben nicht nach einer großen Stimmzahl. Sie möchten nur eine Mitbestimmung im Parlament.

 

 

Kopenhagen Rad fahren für Alle

„If you only bring one thing from Copenhagen : let it be cycling without age“ Auf deutsch: Wenn Du nur eines aus Kopenhagen mitbringst, dann lass es Rad fahren ohne Altersbegrenzung sein.

 

Seit 2016 fahren mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit als mit dem Auto. Und hoffentlich bleibt das so, auch nach den Wahlen am 21. November 2017. Auf das Kopenhagen Vorreiter ist und bleibt für einen nachhaltigen Rausch in die Zukunft.

 


 

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18 Kommentare

  • Liebe was ist Februar 17, 2018 at 7:18 am

    ich finde Crowdfounfing ja generell eine tolle Sache! da könnten wir noch einiges abschauen 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.con

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    • Textwelle - Redaktion Februar 17, 2018 at 7:41 am

      Danke, Tina! Lieben Gruß und schönes WE!

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  • Antje M. Februar 17, 2018 at 10:00 am

    Diesen Begriff „Crowdsourcing“ kenne ich bisher nur aus dem Unternehmensbereich. Sehr sympathisch, die 2 jungen Männer!

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    • Textwelle - Redaktion Februar 17, 2018 at 10:12 am

      Hallo Antje! Ja , in der Politik war mir das auch neu! Aber interessant, fand ich. Danke Dir!

      Reply
  • Noah Februar 17, 2018 at 11:42 am

    Leider sagt mir der Begriff nicht viel, aber ein sehr interessanter Text! 🙂

    LG, Noah
    von http://noahjoels.com/

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 17, 2018 at 12:22 pm

      Danke Dir, lieber Noah! LG!

      Reply
  • Cynthia Februar 17, 2018 at 5:29 pm

    CO2-negativ, nicht schlecht! Generell ist Kopenhagen eine tolle Stadt und die Dänen sind sehr sympathisch, wundert mich nicht, dass die Idee von da stammt.

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    • Textwelle - Redaktion Februar 17, 2018 at 8:36 pm

      Ja, war auch mein Gedanke! ich danke Dir!

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  • Steffi Februar 17, 2018 at 7:00 pm

    Hey,

    der Begriff „Crowdsourcing“ war mir bisher absolut nicht geläufig, aber nun bin ich schlauer 🙂

    Wirklich ein toller Beitrag.

    Lg
    Steffi

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    • Textwelle - Redaktion Februar 17, 2018 at 8:42 pm

      Vielen lieben Dank, Steffi! LG! Sirit

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  • Lieblingsleseplatz Februar 17, 2018 at 9:06 pm

    Oh – ich liebe Karamell!
    Ich finde Crowdsourcing super! So können auch kleine UNternehmen oder Start ups ihre Träume verwirklichen!

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    • Textwelle - Redaktion Februar 18, 2018 at 7:27 am

      Vor allem konnte man alle probieren, das Team dort was super nett und sehr PR affin ;O). Lieben Gruß!

      Reply
  • Sigrid Braun Februar 17, 2018 at 10:20 pm

    Crowdsourcing war mir bisher auch fremd, aber dein Artikel ist wirklich sehr interessant und informativ.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    • Textwelle - Redaktion Februar 18, 2018 at 7:28 am

      Danke Dir, Sigrid! Ich muss da mal mehr drüber lesen , auch über crowdfunding ;O). Lieben Gruß zum Sonntag!

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  • Denise Februar 17, 2018 at 11:10 pm

    Man sieht auch hier einmal mehr wie weit uns eigentlich der Norden vorraus ist! Ich findedie Idee generell sehr gut und irgendwie muss man ja sagen-auch wenn diese „Probleme“ für uns nicht ganz nachvollziehbar sind wenn man sich dort so umsieht,so ist es doch sehr gut dass die Menschen dort schon sehr früh versuchen zu handeln und etwas gegen Missstände zu unternehmen welch dort bisher sicher bei weitem nicht so schlimm sind wie in anderen Ländern!

    Viele Grüße
    Denise

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    • Textwelle - Redaktion Februar 18, 2018 at 7:27 am

      Ja, Du hast total recht! Das stimmt! Ist immer relativ zu betrachten die Probleme eines Landes. Ich war sehr geflasht über diese Stadt und möchte dort noch mehr erkunden. Ich danke Dir! Lieben Gruß! Sirit

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  • FashionFoodFlowers Februar 18, 2018 at 10:07 am

    Sehr spannend!
    Denke, dass es generell immer eine gute Idee ist, sich mit Crowdsourcing einen Überblick über die Ideen und Meinungen einer breiteren Masse zu holen.

    Beste Grüße, Helen

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 18, 2018 at 10:18 am

      Danke , Helen! Schönen Sonntag Dir!

      Reply

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