Nichts tun – viel erleben: Tobago

Kostenlos ist keine der Touren nach Little Tobago.Mit einem Glasbodenboot ist es ein Erlebnis wert!

Entschleunigung und frischer Fisch

 

Rot und weiß glänzen die Schuppen, die sich auf dem wackeligen Holztisch am Strand von Pidgeon Point auf Tobago anhäufen. Das scharfe Messer des Rastas gleitet im Eiltempo über die frisch gefangenen Fische.

Sauber und filetiert landen sie in den Taschen der Einheimischen und Touristen, die geduldig warten und schwitzen.

 

Wo gibt es einige der schönsten Strände der Welt? Auf Tobago findet man sie fast an jeder Ecke

 

Eine leichte Brise weht vom Meer herüber, bewegt die Blätter der Palmen und sorgt für angenehme Kühlung. Das Schwipp-Schwapp der Wellen zieht den Blick in die Weite zur Sonne, die sich gemächlich den Himmel hoch räkelt. Als sein gesamter Fang verkauft ist, grinst Rat, der Fischer mit den langen, verfilzten Haaren, und zieht die Schultern hoch: Nichts mehr da! Endlich, nach zwei Stunden Arbeit kann er sich ausruhen. Sich Zeit nehmen, den Augenblick genießen, Geschichten erzählen. Das „Liming“ gehört, wie der Fischfang, zum Leben auf der Karibikinsel Tobago. Liming ist Genuss. Liming ist Lebenseinstellung.

 


 

Red snapper ist einer der Fische, die vor Tobago gefangen werden.

 

Der Kampf um die Insel

Christoph Kolumbus entdeckte 1498 die Westindischen Inseln Trinidad und Tobago 40 Kilometer nord-östlich von Venezuela. Nach der Besiedlung durch Sklaven aus Westafrika im 16. Jahrhundert eroberten Holländer, Franzosen und Engländer das tropische Stück Land. Seit der Unabhängigkeit 1962 entdecken Urlauber aus der ganzen Welt die Schönheit und die Ruhe der Insel. Beides findet sich in dem saftig grünen, dichten Regenwald des ältesten Naturschutzgebietes der westlichen Hemisphäre wieder. Hier entlang führt die zentrale Gebirgskette. Ein Ort an dem der Begriff des sich-gehen-lassen eine neue Dimension erhält.

 


 

Rat setzt sich neben einen anderen Fischer. Sie beobachten die Taucher, die ihre Ausrüstung in eines der kleinen, bunt bemalten Boote heben. Der weiße, feine Sand klebt wie Kniestrümpfe an ihren tiefschwarzen Beinen. Auf dem Boot nebenan dösen Pelikane in der Sonne und lassen sich von den seichten Wellen hin und her wiegen.

 

Der frische Fang des Tages an Storebay auf Tobago in der Karibik

 

Ein Paradies für Tiere und Menschen

 

Am anderen Ende der Insel legt zur gleichen Zeit ein Glasbodenboot vom Strand des Fischerdorfes Speyside ab. Es fährt zu einer der über 20 weiteren vorgelagerten Inseln, nach Little Tobago. Tropfen von Salzwasser spritzen über den Rand des grünen, wippenden Bootes. Der Außenbordmotor arbeitet sich laut surrend durch die schwappenden Wellen. „Schauen Sie auf den Meeresboden, denn gleich sehen Sie die größte Hirnkoralle der Karibik“, ruft der einheimische Naturführer Harris McDonald den Urlaubern an Bord zu. Ein Papageifisch schwimmt vorbei und zeigt stolz seine schillernde Farbenpracht. Nur einen kurzen Blick gönnt sich die einzige Deutsche an Bord. Sie ist froh, als sie wenig später auf dem spartanisch angelegten Bootssteg steht und wieder festen Boden unter den Füßen hat.

„Hier gibt es über 100 Vogelarten, darunter der seltene Rotschnabel-Tropikvogel und verschiedene Tölpel mit ihren entenartigen, gelben Füßen“, erklärt McDonald. Sie stehen auf dem höchsten Punkt der Insel. Über ihm zappelt ein frisch erbeuteter Fisch im Schnabel eines Fregattvogels. Die Brandung klatscht an die schwarzen Felsen unterhalb. Die Gedanken der Besucher verlieren sich für einen Moment in der Weite des Meeres.

 


Per Kleinbus über die Insel

Harris McDonalds Anekdoten zu Land und Leuten vermischen sich während der Heimfahrt mit schnellen Rhythmen einheimischer Soca-Musik aus den Lautsprechern des frisch lackierten Kleinbusses. Niemand hat es eilig und alle freut sich über einen Abstecher zu einem  erfrischenden Bad unter den Argyle Wasserfällen. Hier lässt es sich genießen! Erst am frühen Abend geht es zurück in ihre Hotels. Der Fischer Rat schlendert am Straßenrand entlang. Mit einem „Alright!“, dem Gruß der Insel, und dem Wackeln seiner erhobenen Hand lacht er dem ankommenden Bus zu. Er hat den Tag am Strand verbracht, die Wellen beobachtet und Blumenmuster in Kokosnussschalen geschnitzt. „Leute, die uns besuchen nehmen solche Andenken gerne mit nach Hause. Außerdem: Wer weiß, vielleicht erinnern sie sich dann an mich oder daran wie sehr sie die Zeit hier genossen haben.“

Heute Abend gibt es bei ihm gegrillten Fisch, zusammen mit püriertem Mango Chuntney oder Babaganoush, der Paste aus Aubergine und Knoblauch. Bis dahin steht fest was er tut: Mit einer Flasche Carib-Bier am Strand sitzen. Und sonst gar nichts.

 


 

Ausflugstipps für Tobago


 

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24 Comments

  • Elke | Meerblog - slow travel, seaside life September 28, 2017 at 12:50 pm

    Sehr schön! Auf Trinidad und Tobago war ich noch nicht. Mein Traum wäre ja mal ein Inselhopping in der Karibik… Wieviel Zeit man wohl dafür braucht? LG, Elke

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    • Sirit Oktober 5, 2017 at 8:30 am

      Schwer zu sagen, was? Die Inseln sind ja so unterschiedlich. Ein paar Monate braucht man denke ich wenn man wirklich eintauchen möchte! Auf jeden Fall mit Harris McDonald auf Tobago eine Regenwald Tour machen und ihn lieb von mir grüßen ;O).

      Reply
  • Linni Februar 9, 2018 at 10:50 am

    Hallöchen,
    was ein toller Beitrag! Ich war an diesen Orten noch nicht, aber scheinbar ist es eine Reise wert. Danke für den Tipp!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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    • Textwelle - Redaktion Februar 9, 2018 at 1:19 pm

      Danke Linni! Ja! Unbedingt hin! Schnorcheln, tauchen, chillen … cool!

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  • monis-paradise Februar 9, 2018 at 11:25 am

    Wow! Das sind echt Länder und Inseln dort drüber die mich auch alle faszinieren und die ich unbedingt schon gesehen haben wollen würde 😀 wenn du weißt was ich meine 😛 Genau wie Elke würde ich auch eine Rundreise inkl Inselhopping machen!

    Liebste Grüße, Moni
    monis-paradise.blogspot.de

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    • Textwelle - Redaktion Februar 9, 2018 at 1:20 pm

      Hi liebe Moni! „…. gesehen haben wollen würde“ ist gut! Danke Dir! LG!

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  • Michelle Februar 9, 2018 at 11:36 am

    Wie bist du denn auf Trinidad & Tobago gekommen? Das ist doch eher ein untypisches Reiseziel, oder?
    Aber einen sehr schönen Bericht hast du geschrieben, die durch die Bilder klasse untermalt werden!

    Liebe Grüße aus Singapur 🙂
    Michelle
    http://gowhereyourhearttellsyoutogo.wordpress.com/

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    • Textwelle - Redaktion Februar 9, 2018 at 1:18 pm

      Hallo liebe Michelle! Karibik Reisende gibt es ja einige … ich verrat Dir mein Geheimnis: mein Dad wohnt dort. Meld Dich auch wenn Du Tipps brauchst! Aber nee: Was machst Du denn in Singapur?! Interesting !

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  • liebe was ist Februar 9, 2018 at 12:31 pm

    das ist ein wirklich schöner text liebe Sirit und mir gefallen die Fotos dazu natürlich auch super gut! ich bin ja ein absolutes Meer-Kind – früher zwar nur an der Ostsee, soch mittlerweile auch schon in Indien und Co. gewesen 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

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    • Textwelle - Redaktion Februar 9, 2018 at 1:17 pm

      Danke Dir sehr, Tina! Condor hat gute deals manchmal … fliegen aber nur 2 Mal die Woche. Parlatuvier bay oder auch Pidgeon Point ist absolutes must-see! Und Tauchschein-must-do ;O)!! Meld Dich wenn Du Tipps brauchst!

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  • Heike Februar 9, 2018 at 7:27 pm

    Hallöchen ?
    Erst mal vielen Dank für diesen tollen Beitrag & diese Bilder sind ein Traum.
    Am liebsten wäre ich jetzt sofort dort.

    Bis bald

    xoxo
    Heike
    http://mumandthefashioncircus.com

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    • Textwelle - Redaktion Februar 10, 2018 at 7:18 am

      Danke Heike! Ja, da komm. Los geht’s ;O)!

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  • Conchita Februar 9, 2018 at 7:30 pm

    Tobago sieht ja wirklich idyllisch aus. Wobei „nichts tun“ ja eher nicht so mein Ding ist, „viel erleben“ dann schon eher. Wie beides zusammenpasst, habe ich persönlich für mich noch nicht herausgefunden 🙂

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    • Textwelle - Redaktion Februar 10, 2018 at 7:17 am

      Die Mischungs macht’s , denke ich. Auf Tobago nur Nichts tun geht irgendwie eh nicht ;O). Danke Conchita!

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  • Katii Februar 9, 2018 at 8:54 pm

    Oh das klingt so zauberhaft und macht gerade richtig Lust auf Urlaub!
    Ich freu mich schon jetzt drauf, wenn ich endlich wieder Sand zwischen den Zehen spüren kann 🙂

    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 10, 2018 at 7:16 am

      Ja ich auch! Ohne Sand geht es echt nicht ;O)! Danke Dir, Katii (mit zwei „i“?! Warum?)

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  • Astrid Februar 10, 2018 at 1:37 pm

    Toller Beitrag, da steigt unsere Vorfreude doch gleich noch ein wenig an.
    Wir sind dann wohl auf eigenem Kiel dort und können mit unserem Boot (und dem Beiboot) die Inseln und Buchten erkunden.
    Ich freu mich schon drauf. Ob die „weissen Sandkniestrümpfe“ auf unserer, vergleichsweise hellen Haut auch zur Geltung kommen? Ich bin mal gespannt 🙂

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    • Textwelle - Redaktion Februar 10, 2018 at 3:20 pm

      Oh wow! Neid, neid! Warte, ich pack kurz meine Tasche, sage hier alles ab und komme ;O), Astrid ;O)!

      Reply
  • Ramona Februar 10, 2018 at 4:59 pm

    Wow, das klingt echt superschön und auch die Fotos sind toll! <3

    Liebe Grüße
    Ramona

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    • Textwelle - Redaktion Februar 10, 2018 at 5:21 pm

      Danke, liebe Ramona! LG!

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  • Esther März 15, 2018 at 9:29 am

    Wahnsinn, auf so ein Reiseziel würde ich von alleine gar nicht kommen. Danke, für den schönen Einblick! 🙂

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    • Textwelle - Redaktion März 15, 2018 at 9:39 am

      Hallo liebe Esther! Wohin reist Du denn gerne ? LG!

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  • Familie-testet August 20, 2018 at 12:53 pm

    Hey,

    Die Berichte und deine Fotos überzeugen richtig. Für mich sind da einige Ausflugsziele dabei, die ich unbedingt bereisen möchte.

    Liebste Grüße,
    Melanie von familie-testet.com

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    • Textwelle - Redaktion August 20, 2018 at 2:02 pm

      Hallo Melanie! Danke sehr für Dein feedback und Dein Kommentar! Alles Liebe nochmal von mir an Dich und Euch! Sirit

      Reply

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