So heiß wie ein Vulkan

Ganz oben auf dem Stromboli ist der beste Platz für den perfekten Sonnenuntergang. Sie taucht ein in die Wolkenschwaden des Vulkans.

Eine dünne Wolkenschicht umhüllt die Spitze des Berges wie ein Stück Watte: Zeit zum Abschminken nach einem grandiosen Auftritt. In 900 Metern Höhe schwankt das Publikum zwischen erschrockener Starre und erlöster Begeisterung.

Die Blicke tauchen in die rote Glut bevor sie auf das tiefblaue Meer der fernen Kulisse gleiten. Ohren betäubendes Getöse geht über in gleichmäßiges Rauschen des Windes. Zugaben gibt es im Minutentakt.

 

Schwefel Kristalle sind gelb und weiß. Sie glitzern in der Sonne und riechen recht streng nach faulen Eiern.

Schwefel Kristalle auf dem Kraterrand des Vulkans.

 

 

Sicherheit für die Menschen steht an oberster Stelle

Stromboli scheint alle paar Jahre aus allen Nähten zu platzen und das, mal mehr und mal weniger, seit 2.000 Jahren. Beim letzten großen Ausbruch im Dezember 2002 flossen fünf Millionen Kubikmeter Lava ins Meer. Nur 60 Kilometer vom Ätna auf Sizilien entfernt, ist er der Hauptakteur der sieben Isole Eolie, der liparischen Inseln. Seit 1997 zählen die Inseln im Mittelmeer zum Unesco-Weltnaturerbe. Stromboli ist mit Sensoren die Neigung der Oberfläche, Gase und Temperatur messen gespickt. Im Meer schaukeln die gelben Bojen der Tsunami- Warnsysteme und messen die Schwankungen des Meeresspiegels. Bei erhöhter vulkanischer Aktivität flüchten die rund 500 Strombolianer in höher gelegene Regionen oder werden evakuiert. Dennoch kehren Sie immer wieder zurück: Der Vulkan ist ihre Ur-Mutter.

 

Die liparischen (odr äolischen) Inseln sind ein Traum. Hier sieht auf Stromboli von der Insel Panarea

Blick auf Stromboli von der Insel Panarea

 

Führer geben sinnvolle Tipps

Hinauf zur Spitze geht ein Strombolianer nicht. Ingrid Bergmann schon. In luftigem Sommerkleid und Stöckelschuhen machte sie sich verzweifelt im Film Stromboli von 1949 auf den Weg. Heutzutage sind Wanderer besser ausgerüstet. Gute Schuhe und ausreichend Wasser sind ein Muss, selbst für auf-eigene-Faust-Kandidaten. Es geht zur Sciara del Fuoco, der Feuerrutsche, an der Nord – West Flanke des Vulkans. Der Eintritt für einen Blick hinter die glühenden Kulissen eines der aktivsten Vulkane der Welt kostet 25 Euro. Das ist die Gage von Antonio. Schließlich ist ohne einen Bergführer der Aufstieg tabu. Eine Übertretung dieser Regel wird bestraft.

 


In langsamem Schrittempo zur Spitze

„Alles in Ordnung bei dir? Sollen wir langsamer gehen, damit wir zusammen bleiben?“ Per Sprechfunk ist Antonio mit seinen Kollegen am Ende der Menschenkette verbunden. Nur sie haben die offizielle Lizenz zum Bergsteigen. Sie führen maximal 20 Personen in langsamem Schritttempo am späten Nachmittag hinauf. Hinauf – das ist relativ und kein Alltagsgeschäft. Denn aufgestiegen wird nur bis dort wo es ungefährlich ist. Hinauf war bis März 2007 über 900 Meter, jetzt sind es nur noch 400 Meter. Das ändert sich ständig.

 

 

Schutzhütten auf der Spitze des Strombolis. Hier kann sich der Besucher verschanzen, wenn der Vulkan ausbricht.

Schutzhütten auf der Spitze des Strombolis

 

Der Blick vom Kraterrand brennt sich im wahrsten Sinne ins Gedächtnis

Husten und Kratzen im Hals sowie Antonios Ruf „Helme auf“ in vier Sprachen bestätigt das Unausgesprochene: Das Ziel ist erreicht. Kniehoch stehen die Besucher am Kraterrand in dichtem Schwefeldampf, der wie aus Nebelmaschinen aus Erdspalten strömt. Florian Becker, erfahrener Geologe aus München, sammelt seine siebenköpfige Reisegruppe um sich. „Stromboli hat so viele Gesichter! Jedes Mal ist es wieder ein unglaubliches Erlebnis!“, sagt er begeistert. Breitbeinig steht der Zwei-Meter-Mann am Kraterrand. Warm angezogen, Hände in den Taschen. Sein entspannter Blick ruht auf den Vulkanschloten rund 200 Meter entfernt.

Plötzlich geht das Schauspiel wieder los: Lavafontänen jagen hunderte Meter hoch in die Luft, reißen auseinander und platschen rot glühend auf den schwarzen Boden. Fauchen. Zischen. Grollen. Die Erde lebt. Auch drei Vulkan-Neulinge aus Florians Gruppe hat es gepackt. Sie haben die ersten Schrecksekunden überwunden. Dennoch weicht ihre Unsicherheit schnell der Faszination. Wie ferngesteuert fliegen die Arme mit einem lauten „Wahnsinn!“ in die Luft.

 

Sonnenuntergang auf dem Stromboli ist ein Spektakel. Es gibt einem das Gefühl auf dem Dach der Welt zu stehen.

Sunset im vulkanischen Rauch des Stromboli.


Stromboli ist Mutter Natur pur

Das Faltblatt über Stromboli lässt eine der Gefahren im Umgang mit aktiven Vulkanen erahnen: „Bedingt durch explosive Ausbrüche, die unerwartet auftreten, können auch dort Vulkangesteine nieder fallen, wo Besucher stehen“. Und das stimmt: Nach zwei Stunden rufen die Bergführer ihre bunt behelmten Gipfelstürmer zum Aufbruch. Es rieselt feinen Aschestaub wie Konfetti zum Abschied auf die Reihe Leuchtpunkte. Es sind die Kopflampen der Gruppe, auf ihrem Weg zurück nach San Vincenzo, ein Teil des Ortes Stromboli. Hinter ihnen legt sich immer wieder ein rosa Schleier in den wolkenlosen Himmel. Dann glüht Stromboli erneut auf und sein Fauchen begleitet die Gruppe durch die Nacht.


 

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18 Kommentare

  • Ina Februar 12, 2018 at 5:41 pm

    oh auf einen Vulkan möchte ich auch mal gerne! danke für deinen Bericht, da riecht man richtig den Schwefel in der Luft beim lesen!

    Lg aus Norwegen
    ina

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:41 am

      Ja, mach mal! Unbedingt! Für kleines Geld nach Neapel fliegen und dann mit der Nachtfähre rüber! Traumhaft! Danke Ina!

      Reply
  • L❤ebe was ist Februar 12, 2018 at 5:54 pm

    okay, mit einem Songtext hat die Überschrift ja nicht viel zu tun …
    tolle Fotos!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:40 am

      … ja, es ist echt ein Ding oben am Kraterrand zu stehen. Natur Energie pur! Danke Tina!

      Reply
  • Tina Februar 12, 2018 at 6:12 pm

    Omg wie oag bitte. So ein Erlebnis vergisst man bestimmt nicht und tolle Fotos.

    LG
    Tina

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:43 am

      Jaaaa ;O)! Mach mal! Ein Muss! Danke, Tina!

      Reply
  • Natalia Februar 12, 2018 at 6:24 pm

    Das klingt ja nach einer super Wanderung und vor allem einer unglaublich schönen Landschaft… Echt toll 🙂

    Reply
    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:42 am

      Danke Natalia!

      Reply
  • Sarah Februar 12, 2018 at 9:40 pm

    Wow, super beeindrucken geschildert! ich war im Oktober da s erste mal auf Bali auf einem Vulkan und bin auch noch immer tief beeindruckt. So schöne Lichtstimmungen haben wir dabei aber leider nicht sehen können – es war einfach alles voller Nebel. 😀

    Liebe Grüße
    Sarah

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    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:42 am

      Ja, das Wetter muss echt mitspielen. Danke Sarah!

      Reply
  • Sigrid Braun Februar 12, 2018 at 11:05 pm

    Sehr beeindruckende Bilder und toller Beitrag. Den Ätna bin ich schon hochgestiegen, beim Stromboli war ich leider noch nicht.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 7:40 am

      Ätna ist auch echt klasse! Danke, Sigrid!

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  • Juliet Februar 13, 2018 at 8:59 am

    Dieses Erlebnis vergisst man wohl kaum! Muss unbeschreiblich gewesen sein. Versuchen, den Gefühlsstrom einzufangen…anderen ein stückweit nahezubringen – toll. Wenn ich die Möglichkeit habe, einmal hochzusteigen, dann bin ich auf jeden Fall dabei!
    Und: jep, Sicherheit ist das Allerwichtigste!

    Liebst, Juliet
    http://www.withjuliet.com

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    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 10:30 am

      Ja, so eine Begegnung brennt sich ein … ich habe schon mehrere erlebt. Jedes Mal unfassbar für den Kopf. LG, danke Juliet!

      Reply
  • Linni Februar 13, 2018 at 1:09 pm

    Hallöchen,
    was ein toller Beitrag 🙂 Ich finde es immer sehr angenehm deine Texte zu lesen! Mag deinen Schreibstil sehr!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 1:39 pm

      Och, das ist aber echt total lieb von Dir! Geht direkt ins Herz. Danke, Linni!

      Reply
  • Lieblingsleseplatz Februar 13, 2018 at 2:22 pm

    Wunderschöner Bericht!
    Ich habe ein Haus auf Sizilien und wenn wir nächstes Jahr wiedee hingehen will ich mit den Kindern auch auf den Vulkan!

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    • Textwelle - Redaktion Februar 13, 2018 at 3:26 pm

      Ein Haus auf Sizilien? OMG!!! Wie kommt ihr denn daran? Will ich auch haben, schnief. Will mal mit meinem Sohn hoch auf den Vulkan. er ist 9. Danke, Verena!

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