Stress lass nach – was Du dagegen tun kannst (#23 Leonie Machbert)

bauchenfrauen stehen für body positivity und power

Stress ist in. Und keine Zeit zu haben auch. Aber anstatt sich über die äußeren Umstände aufzuregen und einer Gesellschaft die Schuld für unser Unwohlsein in die Schuhe zu schieben, sollten wir einmal dahinter blicken und uns selbst reflektieren. Warum geraten wir denn immer wieder in Stress und wie können wir es vielleicht selbst ändern? Hier kommen Tipps für unseren Alltag wie auch unser Business, denn Stress ist überall.

Erst einmal: Stress ist eine subjektive Wahrnehmung. Und deshalb ist es okay, sich in einer Situation gestresst zu fühlen, in der andere Tiefen entspannt sind. Es ist wichtig, das für sich zu begreifen und sich die Gefühle einzugestehen und zu erlauben. Denn nur dann trauen wir uns, unsere Gefühle und Sorgen anderen mitzuteilen – was ungemein hilfreich dabei sein kann, sich nicht komplett alleine und überfordert zu fühlen.

 

Nein sagen, gegen Stress 

Stress kennen wir sowohl im beruflichen Kontext als auch in unserer Freizeit. In beiden Bereichen unseres Lebens liegen ihm ähnliche Ursachen zugrunde. Und die eine, schwerwiegende und beinahe uns alle betreffende Ursache lautet: Wir können nicht Nein sagen. Denn wenn wir nicht Nein sagen, häufen sich die Aufgaben und verlängern sich die To-Do-Listen bis ins Unendliche. Das wird zum Stress für uns, der sich ganz stark nach Überforderung anfühlt. Wir haben das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen, nicht mehr Herr/Dame der Lage zu sein, alles nicht mehr zu schaffen. Und – wie wir alle wissen – können solche Situationen ganz schön gefährlich werden.

Um irgendwie einen Weg aus dieser Abwärtsspirale zu finden, macht es Sinn, sich zu fragen, weshalb es uns denn nun so verdammt schwer fällt, Nein zu sagen. Denn schließlich lässt sich der Rückschluss ziehen, dass wir diesen Stress vermeiden könnten, wenn wir es beherrschen würden, Nein zu sagen.

 

 

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Warum es uns so schwer fällt, Nein zu sagen

Es fällt uns richtig schwer, Vorgesetzten und Kollegen, aber auch Familie und Freunden eine Bitte abzuschlagen. Hier betrachten wir jedoch in erster Linie einmal das berufliche Umfeld. Was wir im Job alle wollen, ist Anerkennung und Wertschätzung. Das ist vollkommen normal, sozusagen beinahe ein Grundbedürfnis. Um Zufriedenheit und Erfüllung in unserem Job zu finden, müssen wir für unsere Leistung anerkannt und wertgeschätzt werden.

Und das mit der Leistung ist so eine Sache, denn grundsätzlich wissen wir schon von Kindesalter an, dass wir für eine Leistung Liebe im Gegenzug bekommen. Daraus schlussfolgern wir, dass wir, umso mehr wir leisten und umso bessere Ergebnisse wir vorweisen können, desto mehr Liebe bekommen. Im Arbeitsalltag bedeutet Liebe eben Anerkennung und Wertschätzung. Damit kristallisiert sich auch schon die Gleichung heraus: Mehr Leistung = mehr Anerkennung & Wertschätzung = noch mehr Leistung = Stress.

Und diese Anerkennung brauchen wir nicht nur, um zufrieden und erfüllt zu sein. Nein, wir Menschen brauchen die Liebe drastisch ausgedrückt zum Überleben.

 

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Wie wir lernen können, Nein zu sagen

Es ist ein Teufelskreis, aus dem wir nur schwer mit eigener Kraft herauszukommen scheinen. Aber ganz so schwer ist das zum Glück gar nicht. Wenn man weiß, wo man anpacken und etwas verändern kann. Beispielsweise können wir nur sehr schwer bis gar nicht etwas daran ändern, dass wir das Grundbedürfnis Liebe haben. Das ist menschlich und tief in uns verwurzelt. Damit sind wir aber tatsächlich schon beim ausschlaggebenden Punkt: unseren Bedürfnissen.

Es geht nicht darum, unsere Bedürfnisse zu verändern, sondern unseren Umgang mit ihnen. Denn dass wir nicht Nein sagen, wenn wir eigentlich schon genug oder schon weit mehr als genug ausgelastet sind, rührt daher, dass wir entweder unsere wirklichen Bedürfnisse gar nicht kennen oder ihnen zumindest nicht genügend Beachtung schenken. Die Lösung: Bedürfnisse wahrnehmen, erkennen und dann auch befolgen!

Erster Schritt: Bedürfnisse wahrnehmen

Das Wahrnehmen unserer Bedürfnisse im Alltag können wir durch Achtsamkeit trainieren. Ja, hinter diesem inflationär verwendeten Begriff steckt tatsächlich etwas. Achtsam zu sein bedeutet, unsere Gefühle und Gedanken zu beobachten. Gerade während Handlungen, die wir ganz automatisch ausführen, weil wir sie häufig tun, läuft die Gedankenmaschine auf Hochtouren und lässt sich gut zuhören. Aber auch in der typischen Situation, in der die Kollegin um einen Gefallen bittet, macht es Sinn, die eigenen Gefühle und Impulse zu beobachten. Und dabei muss im ersten Schritt noch nicht einmal etwas verändert, sondern nur beobachtet werden.

Aus diesen Beobachtungen lassen sich irgendwann die ersten Schlüsse ziehen. Wir erkennen: Aha, in der Situation haben wir uns so und so gefühlt und daraufhin so und so gehandelt. Was sagt das über unsere Bedürfnisse aus? Es bietet sich an, eine Liste der beobachteten Bedürfnisse zu erstellen.

 

Zweiter Schritt: Bedürfnisse befolgen

Sobald wir einige Bedürfnisse identifiziert haben, gilt es natürlich, diese zu beachten und zu befriedigen. Das Bedürfnis Liebe beispielsweise lässt sich nicht nur durch Anerkennung von Außen befriedigen. Es ist sogar dringend notwendig, sich diese Liebe auch selbst entgegen zu bringen. Wenn wir das regelmäßig tun, durch Zeit mit uns selbst und allem, was uns gut tut, füllt sich das Konto Liebe automatisch und wartet gar nicht erst darauf, durch Anerkennung vom Chef oder die Liebe einer Freundin aufgefüllt zu werden. Und folglich müssen wir auch gar nicht mehr über unsere Grenzen leisten und können Stress vorbeugen.

Unsere Bedürfnisse lassen sich als Kompass in unserem Alltag nutzen. Sie zeigen uns, was wir brauchen, wohin wir dementsprechend gehen sollten und wohin nicht, was wir tun sollten und was nicht. Achtsam und bewusst mit uns und unseren Bedürfnissen zu sein, lohnt sich also: Denn es schützt uns vor Stress und seinen Auswirkungen!

 

Zur Autorin, Leonie Machbert:

Leonie Machbert ist freie Journalistin und fester Bestandteil des Stuttgarter Labels BACUHFRAUEN, das sich für Selbstliebe und Körperakzeptanz einsetzt. Die Themen, denen sie sowohl in ihrer freien Tätigkeit als auch bei den Bauchfrauen nachgeht, drehen sich rund um Selbstliebe, persönliche Weiterentwicklung, Body Positivity und Feminismus. Ihre Artikel erscheinen regelmäßig auf dem Blog von Bauchfrauen. Ihr findet sie auch bei Instagram: @bauchfrauen

 

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