Networking für Fortgeschrittene #29 Carola Heine

Networking für Fortgeschrittene #29 Carola Heine

Es wird Existenzgründenden eingehämmert, gestandenen Unternehmer:innen ans Herz gelegt und ist außerdem der Punkt, an dem fast alle Freelancer mit neuen Angeboten ansetzen:

Networking ist die gar nicht geheime Geheimzutat für deinen geschäftlichen Erfolg.

Doch auch bei etwas so Selbsterklärendem kann man Dinge falsch und richtig machen. Vielleicht fühlt sich nicht stimmig an, was du in deinen Netzwerken machst oder du hast das Gefühl, dass alle anderen engmaschiger vernetzt sind. Da müsste mehr gehen oder es müsste anders laufen oder sich einfach richtiger anfühlen? Dann ist dieser Artikel für dich.

Eine Sache vorab: Ohne berufliche Netzwerke geht gar nichts, oder so sagt man. Was aber nicht stimmt. Natürlich geht alles auch ohne Networking. Es kostet dich nur mehr: Du brauchst dann mehr Zeit, viel Geld für Anzeigen und gute Nerven für das Beheben diverser Fehler, die man selbst und ständig alleine macht, wenn Austausch und Feedback fehlen. Außerdem verpasst du ganz viel Spaß und Freude und die Chance auf tolle Bekanntschaften und echte Freundschaften. Echte Netzwerke aufbauen lohnt also.

An der Oberfläche bleiben reicht

Networking heißt aber nicht, technische Vernetzungsmöglichkeiten zu nutzen und sofort nach Annahme der Kontaktanfrage der anderen Person eine Aufforderung oder ein Angebot zu schicken. Weil gute Netzwerke als Allheilmittel für jedes Vermarktungsproblem angepriesen werden, wimmelt es online nur so von Menschen, die keine Manieren haben und gleich drängelnd-nervig mit der Tür ins Haus fallen.

Aber, so fragst du dich vielleicht, wie soll ich denn komfortabel andere Menschen nutzen, ich habe doch noch anderes zu tun und kann keine echten Beziehungen mit jedem und jeder aufbauen, die mir gefälligst Ergebnisse liefern sollen?

Meine Antwort darauf wird dir nicht gefallen, denn die lautet: Gar nicht.

Entweder du investierst den Aufwand in andere Menschen und hast auch wirklich echtes Interesse, oder du bleibst an der Networking-Oberfläche.

Das geht auch. Dann kennt man dich und du kennst Leute, man sieht sich on- und offline in den relevanten Foren und dein Name bleibt irgendwann pappen, auch wenn du dich nur sparsam aber sinnreich beteiligst.

Das ist nicht wenig im Vergleich zu gar nichts und funktioniert für viele ausreichend gut. Um mit Expertenwissen wahrgenommen zu werden und eine wirkliche Anlaufstelle in deinem Netzwerk zu werden, wirst du dich aber mehr ins Zeug legen müssen.

Erst geben, dann noch mal geben, dann nehmen

Immerhin haben die meisten verstanden, dass sie nicht einfach reinmarschiert kommen können, um Wissen ab zugreifen. Natürlich tun es trotzdem viele, betreten ein neues Forum sofort mit ihrem frischsten Anliegen und betrachten das als ausreichend hochwertigen Beitrag, um vom Netzwerk gefälligst bedient zu werden. Auch das funktioniert, weil die anderen ja echte Netzwerker:innen sind und nicht erst vorsortieren, wem sie da helfen.

Gerade wer oft und gerne hilft, notiert sich im Geiste aber auch die Flachpfeifen, die nicht einmal selbst googeln können, sofortige Antworten erwarten, hilflos doof kokettieren („Frauen und Technik, oh ich arme süße Maus“)  und selbst die aller dümmste Frage so lange immer wieder hartnäckig neu stellen, bis ihnen endlich, endlich, endlich die Antwort genehm ist.

So kann man nämlich auch auf ein Image einzahlen: Ins Minus.

Erwartungsmanagement ist wesentlich

Wenn du dir für deine aktive Beteiligung neue Aufträge erwartest, wirst du am besten nicht (nur) in ein Netzwerk gehen, in dem deine Branche sich austauscht – Fachkolleg:innen stehen selten für deine Umsatzsteigerung. Solltest du in einer kritischen Phase wie Gründung, Aufnahme eines weiteren Geschäftsmodells oder Wachstum sein, sind ganz andere Netzwerke dein Tummelplatz, als wenn du ein regionales Geschäft übernehmen oder etablieren möchtest.

Sogar wenn es scheinbar passt, muss es nicht passen. Ich gründe zum Beispiel einen kleinen Verlag, bin aber unter Gründer:innen falsch, da mich keine der üblichen Probleme der noch „Ahnungslosen“ umtreiben – da hilft dann alles Geben nichts, damit es wirklich 100%-ig passt.

Bevor du also Zeit vergeudest, enttäuscht oder sogar verletzt wirst, wenn du aus ganzem Herzen netzwerken willst, nimm dir vorher Zeit für die sorgfältige Auswahl. Du siehst schnell, ob ein Netzwerk etwas für dich ist: Empfehlen sich die Teilnehmenden gegenseitig? Verteilen sie ihre Social Media Postings, interagieren sie, treffen sie sich? Gefällt dir die Stimmung? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dir einen guten Eindruck verschaffen kannst, wenn du die offenen Social Media Kanäle eines etablierten Netzwerks abonniert.

Doch bevor wir uns jetzt in irgendeinen Ordnungssinn verrennen mit diesen Tipps: Networking braucht natürlich gar keinen von anderen erschaffenen Treffpunkt.

Networking für Fortgeschrittene: Übergreifend und ohne Rahmen

Die Grafikerin, mit der du gerne gearbeitet hast, der Mann mit dem spannenden Blogpost, über den ihr diskutiert habt, deine Exkollegen und die meisten deiner Kunden: Du hast höchstwahrscheinlich bereits ein großes Netzwerk. Du hast es nur noch nicht unter dem Aspekt betrachtet, dass du es ganzheitlich pflegen könntest. Geben, dann nehmen.

Denn die tragfähigsten Netzwerke baust du dir selbst. Und ständig.

Über die Autorin, Carola Heine

Carola Heine hat schon gebloggt, bevor es offiziell so hieß. Bereits seit 1996 schreibt die Fachjournalistin und Autorin für sich und andere ins Internet, bevorzugt über Marketing und für Selbständige. Seit kurzem auch über Food und veganen Lifestyle: Unter Planet Alltag finden sich Rezepte und Informationen über die beiden ersten Kochbücher aus Carolas Feder: Fabelhafte Focaccia und Gaumenkuss und Gugelhaps.

Netzwerkerin ist sie mit Leib und Seele und gehört unter anderem schon seit der Gründungsphase dem laut ihrer Aussage weltbesten Frauennetzwerk texttreff.de an.

Foto im Header: Tanja Deuss

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